Ivan Blatný

Dichter, Sohn des Schriftstellers Lev Blatný (1894–1930). Er wurde in Brünn geboren und verbrachte hier den ersten Teil seines Lebens, bevor er 1948 in das Exil...

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František Halas

Der Dichter, Übersetzer und Publizist wurde in Brünn geboren und verbrachte hier auch seine Kindheit und Jugend. In der Brünner Buchhandlung A ging er in die Lehre....

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Oldřich Mikulášek

Dichter und Publizist. In Brünn lebte er von 1937 bis zu seinem Tod, zuletzt wohnte er in der Straße Mášova. Er war mit einigen Brünner Kulturinstitutionen verbunden...

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Jaroslav Seifert

Dichter, Publizist, Erinnerungsautor. Erster und bisher einziger tschechischer Literaturnobelpreisträger. Mit seinen Versen erlangte er bei seinen Lesern anhaltende...

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Jan Skácel

Dichter, Prosaist, Redakteur und Übersetzer. In Brünn verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens und war mit einigen Brünner Kulturinstitutionen verbunden (mit...

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Vít Slíva

Dichter und Mittelschullehrer. Mit Brünn ist er seit seinem Hochschulstudium verbunden. Mit einer kurzen Unterbrechung lebt er bis heute in der Straße Poděbradova....

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Brno (Brünn)

Orte (in alphabetischer Reihenfolge)

Dichter (in alphabetischer Reihenfolge)

Vítězslav Nezval

1900  –  1958

Dichter, Prosaist und Dramatiker. Im Jahre 1919 begann er in Brünn ein Jurastudium, das er aber schon bald abbrach. Später kehrte er nach Brünn zu seinen Freunden und vor allem zu seinen Eltern zurück, die in der Straße Šmejkalova im Stadtteil Žabovřesky ihren Ruhestand verbrachten. In ihrem Haus hatte er seine kleine Stube, und hier schuf er den Kern seines Werks der 1920er und 1930er Jahre. Als Erinnerung an die Atmosphäre seiner Aufenthalte in Brünn entstand auch eines der bekanntesten Gedichte „Na břehu řeky Svratky“ (Am Ufer des Flusses Schwarza), das erstmals in der Gedichtsammlung Chrpy a města (1955; Kornblumen und Städte) abgedruckt wurde.

Der Dichter und die Orte seiner/ihrer Gedichte

Jundrov (Jundorf), Na Piavě (An der Piave), Schwarza


Das Gedicht und der Ort



Am Ufer der Schwarza

Am Ufer der Schwarza blüht Ehrenpreiskraut,
am Ufer der Schwarza das Gras niedrig spriesst,
dort schwamm ich, spazierte und träumte vertraut,
am Ufer der Schwarza blüht Ehrenpreiskraut
trüb dunkel und schwer das Wasser kühl fliesst.

Im sonnigen Sommer treibt Schatten sein Spiel
wie im alten Bild zu Haus and der Wand,
warum spürt ich hier duften Lauch, Kümmel und Dill,
im sonnigen Sommer treibt Schatten sein Spiel,
wie in einem Garten, wo einst ich mich fand.

Es gibt vielleicht Flüsse, die herrlicher glänzen
als dieser Fluss Schwarza, wehmütig sein Ufer,
doch ich musste hier viele Jahre verbringen,
es gibt vielleicht Flüsse, die herrlicher glänzen,
doch meine Mutter sind mied seine Ufer.

In Ländern kann Wasser wohl bläulich sein
bläulich der Himmel, die Berge wohl blauer,
und doch wird mein Land ewig Mähren sein,
in Ländern kann Wasser wohl bläulich sein,
und doch ist mir hiesige Erde viel teurer.

Vielleicht gibt es Friedhöfe, die schöner sind,
der Vyšehrad – Goldstück im Herzen von Prag –
am meisten mich dieser granit’ne einnimmt,
vielleicht gibt es Friedhöfe, die schöner sind,
der über Brünn liegt, den ich so sehr mag.

Am Ufer der Schwarza blüht Ehrenpreiskraut,
und sommers wächst auf hier aus Körnern der Mais,
Oh, hätt’ ich doch, Mutter, mit dir hier gebaut,
am Ufer der Schwarza blüht Ehrenpreiskraut,
wär’ Brünn, Mutter, heut uns der Lebenskreis.

Es gibt vielleicht Flüsse, dier Herrlicher glänzen
als dieser Fluss Schwarza, wehmütig sein Rand,
wünscht ewig mit dir hier, Mutter, zu leben,
es gibt vielleicht Flüsse, dier herrlicher glänzen,
meine ewige Mutter, mein Vater- mein Heimatland.


                                                                  übertragen von Eduard Schreiber


 

Nezval, Vítězslav: "Am Ufer der Schwarza", in: Die Seele Brünns, hrsg. von Ludvík Kundera und Alena Mizerová, Brünn: Verlag der Masaryk-Universität 2008, s. 23. 

 



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