Ivan Blatný

Dichter, Sohn des Schriftstellers Lev Blatný (1894–1930). Er wurde in Brünn geboren und verbrachte hier den ersten Teil seines Lebens, bevor er 1948 in das Exil...

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František Halas

Der Dichter, Übersetzer und Publizist wurde in Brünn geboren und verbrachte hier auch seine Kindheit und Jugend. In der Brünner Buchhandlung A ging er in die Lehre....

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Oldřich Mikulášek

Dichter und Publizist. In Brünn lebte er von 1937 bis zu seinem Tod, zuletzt wohnte er in der Straße Mášova. Er war mit einigen Brünner Kulturinstitutionen verbunden...

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Jaroslav Seifert

Dichter, Publizist, Erinnerungsautor. Erster und bisher einziger tschechischer Literaturnobelpreisträger. Mit seinen Versen erlangte er bei seinen Lesern anhaltende...

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Jan Skácel

Dichter, Prosaist, Redakteur und Übersetzer. In Brünn verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens und war mit einigen Brünner Kulturinstitutionen verbunden (mit...

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Vít Slíva

Dichter und Mittelschullehrer. Mit Brünn ist er seit seinem Hochschulstudium verbunden. Mit einer kurzen Unterbrechung lebt er bis heute in der Straße Poděbradova....

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Brno (Brünn)

Dichter (in alphabetischer Reihenfolge)

František Halas

1901  –  1949

Der Dichter, Übersetzer und Publizist wurde in Brünn geboren und verbrachte hier auch seine Kindheit und Jugend. In der Brünner Buchhandlung A ging er in die Lehre. Er schrieb, und arbeitete eine kurze Zeit (1919-1921) als Gehilfe in der Buchhandlung. Seinen Wohnsitz hatte er in der heutigen Straße Hálkova im Stadtteil Husovice bei seiner Großmutter (die alte Frau des gleichnamigen Gedichts); über die Not in deren gemeinsamem Haushalt schrieb Jaroslav Seifert in seinen Erinnerungen, dass er eine solche Armut nicht einmal im Prager Stadtteil Žižkov angetroffen habe. Nach seinem Aufenthalt in Paris kehrte František Halas nicht mehr nach Brünn zurück und erhielt dank der Hilfe von Jiří Mahen eine Anstellung in Prag. Er war einer der größten tschechischen Dichter des 20. Jahrhunderts und inspirierte mehrere nachfolgende Generationen. Er betätigte sich auch als Kulturpublizist und Verlagsredakteur. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er im Widerstand, und von 1945-1948 ging er auch aktiv in die Politik, so war er Vorsitzender des Syndikats tschechischer Schriftsteller. In den letzten Jahren seines Lebens fühlte er sich vor allem mit Kunstadt (Kunštát) in der Böhmisch-Mährischen Höhe verbunden, der Region seiner Vorfahren, wo er auch begraben liegt. Nach Brünn kehrte er beispielsweise mit dem Gedicht „Dobrý den Brno“ (Guten Tag, Brünn“) zurück, das in der letzten Gedichtsammlung A co? (1957; Und was?) enthalten ist.

Der Dichter und die Orte seiner/ihrer Gedichte

Brno (Brünn)


Das Gedicht und der Ort



Guten Tag Brünn

Guten Tag
und wie geht’s

Rostbraun Was Rauchig is er gewesen
Leeräurig Lauernd
und danach hat jemand gesungen

Brechet grünes grünes Laub
deckt das rote Blut im Staub
dass die Krähn nicht krächzen

Das Häusergedärm hat er ausgehangen
und noch geprahlt

Die Zeit beschattet schon den bekritzelnen Zaun
Das muss so sein
Wie schön bist du geworden Nachzüglerliebe
da die Jahre dich eifernd ans Herz geschlossen
Die Zeit beschattet den bekritzelten Zaun
mit der Aufschrift
HALAS IST EIN OCHSE

Lacht nicht

Irgendwo ist ein Treppenhaus erster Berührungsscham
Krawattentage
Liebesarbeit spaltbaren Dunkels
schreckliches Ausziehn
und drüber der Mond
Vergebenshänger

Irgendwo ist ein Fenster im Erdgeschoss
wo Geranie und Fuchsie welkten
ob eines Vorwurfs
Am rand des Erinnerns
gibt der Hang so leicht nach
Reicht mir wenigstens einer Finger

O meine Milchbartverse
Verse aus jenen Zeiten

da die Luft gurrend war
und untermalt die Augen
als sie im Schweissdunst des Bumslokals
bis zum Hochmut die Nase hob

SCHAUNS WEITER HERR
MIT LÜBE FÄNGT MAN MICH NICHT

Angstnasse Morgen
liefen nackt

Was war dahinter
Geheimnis
und geschminktes Gebein

Du weisst was der Wurm weiss du weisst was das Gras weiss
das Keimen das Wurzeln
und die zu Motten zerbröckelnde Nacht
Dir im Lehm des Zentralfriedhofs
hat das Geringe nie genügt
Ich geh zurück und du hilf mir
das Anscheinende zu gliedern
in königliche Satzgefüge

Ich versteh immer weniger

Rühr dich Vers
etwas Höhres zu schreiben hatte mich angewandelt
als etwas geklopft hat
vielleicht ein Herz im Ei
da bin ich in dich aufgewacht

Guten Tag Brünn
Steh auf
und dies nur damit die Sprache nicht rostet


                                              übertragen von Franz Fühmann


Halas, František: "Guten Tag Brünn", in: Die Seele Brünnshrsg. von Ludvík Kundera und Alena Mizerová, Brünn: Verlag der Masaryk-Universität 2008, s. 129. 




 



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