Ivan Blatný

Dichter, Sohn des Schriftstellers Lev Blatný (1894–1930). Er wurde in Brünn geboren und verbrachte hier den ersten Teil seines Lebens, bevor er 1948 in das Exil...

mehr »

František Halas

Der Dichter, Übersetzer und Publizist wurde in Brünn geboren und verbrachte hier auch seine Kindheit und Jugend. In der Brünner Buchhandlung A ging er in die Lehre....

mehr »

Oldřich Mikulášek

Dichter und Publizist. In Brünn lebte er von 1937 bis zu seinem Tod, zuletzt wohnte er in der Straße Mášova. Er war mit einigen Brünner Kulturinstitutionen verbunden...

mehr »

Jaroslav Seifert

Dichter, Publizist, Erinnerungsautor. Erster und bisher einziger tschechischer Literaturnobelpreisträger. Mit seinen Versen erlangte er bei seinen Lesern anhaltende...

mehr »

Jan Skácel

Dichter, Prosaist, Redakteur und Übersetzer. In Brünn verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens und war mit einigen Brünner Kulturinstitutionen verbunden (mit...

mehr »

Vít Slíva

Dichter und Mittelschullehrer. Mit Brünn ist er seit seinem Hochschulstudium verbunden. Mit einer kurzen Unterbrechung lebt er bis heute in der Straße Poděbradova....

mehr »

Brno (Brünn)

Dichter (in alphabetischer Reihenfolge)

Rudolf Těsnohlídek

1882  –  1928

Prosaist, Dichter, Dramatiker und Publizist. Rudolf Těsnohlídek stammte aus Tschaslau (Čáslav). Mit Brünn eng verbunden war er ab 1907, als er nach nicht abgeschlossenem Studium an der Prager Philosophischen Fakultät nach Mokra Hora, später nach Bilowitz (Bílovice nad Svitavou) und im Jahre 1924 endgültig nach Brünn zog. Von 1908 bis zu seinem Freitod arbeitete er in der Zeitung Lidové noviny, wo er vor allem als Gerichtsreporter und Feuilletonist Berühmtheit erlangte. Seine Brünn-Kenntnisse nutzte er umfassend in seinen feuilletonistischen Fortsetzungsromanen (Poseidon, 1913-15; Kolonie Kutejsík  /Kolonia Kutejsik/, 1915-16;  Poťóchlencovi příběhové /Gehässige Geschichten/ , 1917), an die sich auch Vrba zelená (Grüner Weidenbaum, 1925) anlehnt, eine Parodie auf einen utopischen Roman, der im Brünn des Jahres 2924 spielt. In der Gegend von Bilowitz spielt auch seine bekannteste Prosadichtung Liška Bystrouška (1921; Das schlaue Füchslein), die von Leoš Janáček vertont wurde. In seiner düster gestimmten Lyrik faszinierten Těsnohlídek vor allem die Themen Liebe und Tod; konkrete Orte fehlen aber in der Regel. In den Anfangsversen des Gedichts "Na rozloučenou" ("Zum Abschied") berührt er ein Ereignis, das tief in der Brünner Stadtgeschichte eingeschrieben ist: Zwei Tage vor dem Heiligen Abend des Jahres 1919 fand Těsnohlídek auf einem Spaziergang mit zwei Freunden zwischen Bilowitz und Lösch (Líšeň) ein abgelegtes Wickelkind, das sie retten konnten (dem Prozess gegen die Rabenmutter widmete er später den Gerichtsbericht "Pod vánočním stromem" ("Unter dem Weihnachtsbaum"; Lidové noviny 9. XI. 1920). Aufgrund dieser bestürzenden Begebenheit begründete er nach Kopenhagener Vorbild die Tradition der Weihnachtsbäume der Republik auf dem Brünner Platz Náměstí Svobody (erstmals am 13. Dezember 1924), wo Geld für den Bau eines Heims für verlassene Kinder gesammelt wird (das Kinderheim Dagmar in Brünn-Žabovřesky wurde 1929 eröffnet und existiert bis heute).

Der Dichter und die Orte seiner/ihrer Gedichte

Náměstí Svobody (Freiheitsplatz)


Das Gedicht und der Ort



Zum Abshied

Ich bin dem Weihnachtsbaume wesensgleich,
den ich auf dem Platz dem Pflaster ließ entwachsen.
Wie er ein Irdensohn war ich dem Tag geneigt
mit meinem auch durch Gebet verletzten Herzen,
wie er wuchs ich heran, zu dienen fremdem Wohle,
bis uns das Grab erlöst und wir im Lichte stehn,
wieder kindlich unschuldig, bis die Tränen fliehn,
die ich aus andern Augen wischen wollte.

Mich traf der Blitz; so schwer hat mich das Los beladen,
dass der Schlag der Axt den bitt´ren Tod erhellte;
ich wuchs für Schmerzen auf und nie war ich von Schaden.
Wenn doch der geschlag´ne Stamm in Frieden faulte!
Weiter dienen kann ich nicht, bin müde und gequält
von finstrer Nichtigkeit, die meine Wurzeln wendet.
Ich kehre heim, in die Erde. Mein Pilgern endet,
wie die Gebete, die über Jahre mir gelehrt.

Meiner Liebe danke ich, dass stets bei mir sie stand,
als ich mich neigte und im Inneren langsam siech,
hundertmal danke ich ihr, dass ihr Geschenk ich fand
in der armen Kasse, wenn sie doch den Sturz verzieh
des Baums an ihrem Weg, vergäben mir doch jene,
die mein Schatten traf und in der Kälte mussten stehn.
Meine Zeit hat sich genähert und sie heißt mich gehn.
Der Bruder des Winters singt diese letzten Töne.
Mein Bild kehrt zurück und bis zum Fest in hellem Schein
wünscht es leis, dass man an es im Guten denke.
Sodann kommt Gott auf die Welt und wird euer Kind sein.


                                                               übertragen von Volker Losseff



Těsnohlídek, Rudolf: Rozbitý stůl (Zerschlagener Tisch), hrsg. von Miloslav Novotný, Praha: Fr. Borový 1935, s. 31-32.



Kontakte



Jiří Trávníček  -   travnicek@ucl.cas.cz
Michal Fránek  -   franek@ucl.cas.cz

Schreiben Sie uns