Ivan Blatný

Dichter, Sohn des Schriftstellers Lev Blatný (1894–1930). Er wurde in Brünn geboren und verbrachte hier den ersten Teil seines Lebens, bevor er 1948 in das Exil...

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František Halas

Der Dichter, Übersetzer und Publizist wurde in Brünn geboren und verbrachte hier auch seine Kindheit und Jugend. In der Brünner Buchhandlung A ging er in die Lehre....

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Oldřich Mikulášek

Dichter und Publizist. In Brünn lebte er von 1937 bis zu seinem Tod, zuletzt wohnte er in der Straße Mášova. Er war mit einigen Brünner Kulturinstitutionen verbunden...

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Jaroslav Seifert

Dichter, Publizist, Erinnerungsautor. Erster und bisher einziger tschechischer Literaturnobelpreisträger. Mit seinen Versen erlangte er bei seinen Lesern anhaltende...

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Jan Skácel

Dichter, Prosaist, Redakteur und Übersetzer. In Brünn verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens und war mit einigen Brünner Kulturinstitutionen verbunden (mit...

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Vít Slíva

Dichter und Mittelschullehrer. Mit Brünn ist er seit seinem Hochschulstudium verbunden. Mit einer kurzen Unterbrechung lebt er bis heute in der Straße Poděbradova....

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Brno (Brünn)

Orte (in alphabetischer Reihenfolge)

Dichter (in alphabetischer Reihenfolge)

Zeno Kaprál

1941

Dem gebürtigen Brünner war es aus politischen Gründen verwehrt, an der Philosophischen Fakultät zu studieren, und so begann er als Fabrikarbeiter in der Waffenfabrik Zbrojovka. Aufgrund einer selbstgeschriebenen (und heimlich mit einem Stempel der Fabrik versehenen) Beurteilung wurde er am anderen Ende des Landes, am Pädagogischen Institut in Karlsbad (Karlovy Vary), angenommen, wo er 1962 das Studium abschloss. In demselben Jahr erschien sein Erstlingswerk Ploty (Zäune), worauf 30 Jahre lang nur inoffizielle Herausgaben folgten. Eine Weile arbeitete er als Grundschullehrer, dann folgten der zweijährige Wehrdienst und eine kurze Tätigkeit als Erzieher in einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche in Bistritz am Hostein (Bystřice pod Hostýnem). Nach Brünn kehrte Zeno Kaprál im Jahre 1966 zurück, wo er eine Stelle als Angestellter in der Staatlichen Versicherungsanstalt annahm (vgl. die Auswahl an Erinnerungen und Texten Moje pojišťovna aneb v krajině arkádské, 1988; Meine Versicherung oder In Arkadien); hier war er bis 1996 tätig. Anschließend übernahm er in der Schriftstellergemeinde den Posten des Sekretärs der Brünner Sektion. Zur offiziellen Herausgabe seiner Gedichtbände gelangte Kaprál erst 1992 zurück, als seine Bücher Reinerův výbor (Reiners Auswahl) und Staré texty, Nové texty (Alte Texte, neue Texte) veröffentlicht wurden. Es folgte eine lange Reihe von Gedichtbänden, darunter Růžová cesta (1994; Rosiger Weg), Suché roráty (2004; Trockenes Rorate) und Uvnitř vně (2014; Im Inneren außen); weitere Sammlungen liegen als Manuskript vor.

Der Dichter und die Orte seiner/ihrer Gedichte

Brno (Brünn)


Das Gedicht und der Ort



Wechselstube

Geliebte, Brünn, du verlierst nicht an Masse.
Es stimmt bis aufs Haus, zähl´ ich es genau.
Die Dachvaleurs aus deiner klammen Kasse,
blutige Gewänder, sind bereits rau.

Verfallen der Schuldschein, als Pfand einst gereicht,
die Leere von tiefen Jahren durchblätter ich.
Der Park ist von Farben des Wuchers gebleicht,
in den Fingern deiner Straßen knirscht es eisig.

Geliebte, Brünn, Marie ist nicht greifbar,
wohnt weder Zum Löwen noch in der Mečová,
wird nicht mit mir schlafen; Zeit ändert das Frühjahr.
Sie eilen nach Wien hin, Du bleibe da.

Verbleib noch etwas, denn es wird schon spät hier,
wie ein Morgenschuft hab ich dich im Mund.
Je mehr du wächst, je weniger bleibt von mir;
in geile Fetzen reißt es das Gedächtnis uns.

Geliebte, Brünn, dass du mich nicht hintergehst.
Kennst ja selbst nicht die künftigen Kurse.
Du hast den Preis, den du im Pfahlnebel siehst,
am, oh Treibende, Zusammenflusse.


                                                              übertragen von Volker Losseff


 

Kaprál, Zeno: Růžová cesta (Rosiger Weg), Brno: Petrov 1995, s. 68.



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